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2023 10 22 bettina betzwieser 041Ein gewinnendes Lächeln, zugewandt, in sich ruhend – so erlebe ich an diesem Nachmittag unseren Gast Bettina Betzwieser. Ganz kurzfristig ergab sich die Gelegenheit zu dieser besonderen Begegnung: Normalerweise lebt und arbeitet Bettina  in einer Missionsstation in Afrika. Sie ist dort Teil eines Teams, das Kindern ein Zu Hause schenkt, die nicht bei ihren Eltern leben können. Aktuell besucht sie Familie und Freunde in Europa.

An diesem Nachmittag ist sie beim ET-ET-Treff unter der Leitung von Pfarrer Torsten Ret zu Gast, der dazu auch alle eingeladen hatte, die im Herzen jung geblieben sind. Von dem, was ihr Herz bewegt, erzählt die junge Frau in der nächsten Stunde: berührend, ehrlich, reflektiert, mit Humor und einer großen Tiefe und Herzlichkeit.

Sie zeigt uns zu Beginn eine Foto-Show mit Momenten aus ihrem Leben: wir sehen eine fröhliche Kindheit, Fotos von Ballettauftritt und Erstkommunion und Momentaufnahmen aus den vergangenen zehn Jahren von ihrem Engagement für Kinder in Brasilien und Afrika–ein Bilderbuchleben!?

Doch hinter den Bildern liegt eine tiefe Geschichte verborgen. Bettina teilt sie an diesem Nachmittag mit uns. Es sind intime, persönliche Momente – sie berühren und bringen mich ins Nachdenken über das eigene Leben.

2023 10 22 bettina betzwieser 039Bettina ist in Indien geboren. Dort hat sie die frühen Kindheitsjahre in einem Kinderheim verbracht. Ihre Adoptiveltern hätten sie gerne schon früher in ihrer Familie gehabt. Der Kampf mit der Bürokratie war aber lang und herausfordernd – bewegt erzählt Christa, Bettinas Adoptivmutter davon. Sie und ihr Mann haben ihre Tochter durch alle Höhen und Tiefen mit viel Liebe begleitet. Sie sind auch an diesem Nachmittag ins Pfarrheim St. Wendelin mitgekommen.

Als Bettina zweieinhalb Jahre alt ist, darf sie endlich zu ihnen kommen. Für die die Familie war das ein Wunder und ein Geschenk Gottes. Die Eltern und die beiden vor ihr adoptierten Geschwister schenkten ihr viel Liebe und Geborgenheit. „Ja, es war eine glückliche Kindheit“, sagt Bettina rückblickend. Doch die Wunden, die sie in sich trägt, sind so tief, dass alle Liebe der Welt sie nicht heilen konnte. Das tiefe Gefühl, am Beginn des Lebens nicht gewollt zu sein, macht es ihr schwer die Liebe anzunehmen, sich selbst anzunehmen. Bettina leidet darunter. Sie kämpft innerlich, macht eine Ausbildung zur Hotelfachangestellten, arbeitet.  Doch das Herz bleibt verwundet. Schleichend kommt der Alkohol in ihr Leben – er täuscht ihr vor, er könne ihr geben, was sie sucht. Bettina wird abhängig. Sie erzählt von Erfahrungen und Momenten, die sie dabei erlebt hat, von einem Tiefpunkt in ihrem Leben, der dank der Liebe ihrer Familie und dank der Erfahrung von Gottes Liebe zu einem Wendepunkt wurde: ihre Mutter erzählt ihr von der Gemeinschaft Cenacolo und sagt ihr: Hey, schau, das ist deine Chance. Bettina entscheidet sich, es auszuprobieren – und sie ist glücklich damit.

Die Gemeinschaft gibt jungen Menschen Raum und Zeit, die süchtig geworden sind und nach einem Entzug lernen wollen ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie teilen dort ein Leben mit sinnstiftenden Aufgaben, Liebe, Gebet, Freundschaft. Sie können drei Jahre bleiben. Manche werden danach auch Teil der großen Gemeinschaft: sie arbeiten als Mitarbeitende auf Zeit in der Mission, so wie Bettina, oder sie leben als Ehepaar und Familie, als Priester oder Ordensschwester in der Gemeinschaft. „Es zählt nicht, was du auf den Schultern hast – es zählt, wer du bist“, sagt Bettina dankbar. Die Gemeinschaft vertraut sich der Fürsorge Gottes an. Sie kümmern sich liebevoll um Menschen, die Zuwendung brauchen, sie bitten Gott um seine Nähe und um das, was sie zum täglichen Leben brauchen – und machen die Erfahrung: Wir bitten – und wir dürfen empfangen. Sie sind dankbar für all das, was sie in ihrem einfachen Leben geschenkt bekommen: für eine Schale Reis, für eine Kartoffel, ein Stück Brot, einen Teller Kohlsuppe.

Im Zuhören spüre ich: Bettina hat ihr ganzes Leben Gott anvertraut! Mich beeindruckt das.
Ich habe auch großen Respekt vor der Offenheit, mit der sie über ihre dunklen Momente spricht, die mit Schuld-und Schamerfahrungen verbunden sind.

Pfarrer Ret lädt uns zu einem Blick in uns selbst ein und sagt: Jede*r von uns hat in sich diese „Such(T)-Neigung“.
Wie ist das bei mir?  Das, was weh tut, was ich vermisse, wonach ich mich sehne – vielleicht versuche ich es manchmal auch mit etwas zu füllen, das mir nur kurzzeitig hilft, vielleicht auch schadet? Was verbirgt sich hinter den Bildern meines Lebens? Welche Wunden möchte Gott in mir heilen?

Danke an Bettina – für ihr Vertrauen und ihr Teilen
Danke an die Familie, ganz besonders die Eltern, Frau und Herr Betzwieser, für ihr liebevolles Mitgehen
Danke an die Gemeinschaft Cenacolo
Danke Gott – für dein Mitgehen und Dasein

Für das Seelsorge-Team
Teresa Ostertag

Wer mehr über die Gemeinschaft erfahren möchte, findet hier Informationen: Gemeinschaft Cenacolo, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., www.comunitacenacolo.it
Die Gemeinschaft finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Bei der Begegnung kam von Besuchern die Frage, ob und wie man die Gemeinschaft finanziell unterstützen kann. Gerne können Sie das unter der folgenden Bankverbindung tun:
Freunde der Gemeinschaft Cenacolo Deutschland e.V.
Verwendungszweck: Mission Afrika
IBAN: DE58 400602650039521700