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Schattensuche bei der Prozession

Für die einen ist Fronleichnam ein freier Donnerstag mit Blick auf ein verlängertes Wochenende, für andere ein katholisches Hochfest – ein Treffpunkt unter Gläubigen und mit Jesus Christus selbst. So auch in St. Katharina Busenbach. „Lobe Zion“ – schallt am frühen Morgen bei kräftigem Gemeindegesang mit Orgelbegleitung durch das Gotteshaus. Fahnenabordnungen der Vereine – Rotes Kreuz, Feuerwehr, Kolpingfamilie und Gesangverein – ziehen mit Pfarrer und Ministranten zum Altar. Der Kirchenchor begleitet den Festgottesdienst.

Für wen hältst du dich? Für wen hältst du mich? Auf diese Fragen, denen Menschen in vielen Lebensbereichen begegnen, geht Pfarrer Torsten Ret in seiner Predigt ein. Denn auch Jesus habe seinen Jüngern und den Menschen, die ihm nahestanden, diese Fragen gestellt, erinnert der Geistliche. „An Fronleichnam geht es mehr als um hübsche Liturgie und Traditionen. Es geht um diese Grundfrage, um eine Haltung und seinen Auftrag. In der Eucharistiefeier lässt er sich zerbrechen. Dafür erhalten wir ihn, damit Menschen nicht am Leben zerbrechen“, sagt Ret.

Im Anschluss zieht die Prozession los, der Musikverein spielt die Lieder. An vielen Häusern flattern Kirchenfahnen im lauen Juni-Wind, das Thermometer nähert sich der 30er-Marke und die Menschen suchen den Schatten der Häuser. Auf dem Weg sind Zwischenstationen errichtet, an denen gesungen und gebetet wird. „Christus, König des Friedens“ – so lautet das Motto beim ersten Halt. Die Kolpingfamilie hat den Altar geschmückt und mit gefärbtem Sand ein Bild gestaltet – darauf Sonnenstrahlen, die durch ein Kreuz scheinen. „Wir haben schon darauf geachtet, dass ums Haus alles sauber und gepflegt ist“, so Annelore Neumaier, auf deren Grundstück das Altarbild steht.

„Die Tradition ist mir ganz wichtig. In der Kindheit war es immer ein kirchliches Highlight“, erzählen Udo und Dagmar Mackert, die ebenfalls ihr Haus verziert haben. Sie bedauern, dass solche prachtvollen Prozessionen im Laufe der Jahre im überwiegend katholischen Albtal selten geworden sind. Rund 250 Gläubige sind unterwegs mit dem Herrgott und machen einen weiteren Halt an einem Blütenteppich, den die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (Ortsgruppe Busenbach) in Gemeinschaft mit dem Kinderwortgottesdienst-Team geschmückt hat. Es ist Mittagszeit, als die Prozession das Ziel erreicht – die Kapelle Maria Zuflucht. Auch hier gibt es ein kleines Blütenmeer, gestaltet vom Gemeindeteam St. Katharina.

Fronleichnam ist das Kirchenfest, an dem die Erstkommunionkinder nochmals ihre festlichen Kleider und Anzüge tragen. So auch Henri Heinz, der mit Mama Monika und Papa Michael mitfeiert. „Ein tolles Erlebnis meiner Pfingstferien“, resümiert er – auch wenn unter dem Gewand die Schweißperlen fließen. So ergeht es auch den 15 Ministranten und vor allem Mathias Anderer, der mit schwerem Vortragekreuz die Prozession anführt: „Super Wetter, alle sind fröhlich. Heute zeigt sich endlich wieder die starke Gemeinschaft bei uns Ministranten.“

Nach dem Segen wird die Zusammengehörigkeit gepflegt – bei kühlen Getränken, Bratwürsten und Kuchen. „Eine stimmige Feier. In der Kirche haben wir kaum noch einen Platz bekommen – so voll war es lange nicht mehr“, freut sich Petra Schell. Es sei nicht nur das Singen und Beten, sondern auch der private Austausch, der während der Pandemie viel zu kurz gekommen sei.

Stefan Lumpp in der BNN vom 17.6.2022. Mit freundlicher Genehmigung der BNN

Fotos: Mirjam Bartberger