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Gottesdienstordnung der Ferienzeit wird verlängert

godi begegungLiebe Gemeindemitglieder,
mit Blick auf die Situationen in unseren Kirchen und im Blick auf die Kirchenentwicklung 2025/2030 stellen wir uns neuen Herausforderungen. Nach 2 Jahren Corona stellen wir fest, dass der Gottesdienstbesuch auch ohne Einschränkungen deutlich zurückgegangen ist. Das betrifft die Werktaggottesdienste und die Sonntagsgottesdienste.

Hierfür gibt es unterschiedliche und nachvollziehbare Gründe. Ältere Menschen fällt es zunehmend schwer, in die Kirche zu kommen und sie haben die Möglichkeit entdeckt, im Fernsehen den Gottesdienst mitzufeiern. Vielen jüngeren Menschen fehlt der Zugang zur Eucharistiefeier. Selbst junge, treue Kirchgänger erleben die hl. Messe mit ihren liturgischen Texten als fremd und „leblos“. Gleichzeitig sehnen sich viele nach spirituellen Orten, die Gemeinschaft stiften und Kraft geben für ihren Glauben, ihr Leben und die Woche.

Jeder kennt den Eindruck: In einer vollen Kirche feiert und singt es sich leichter. Das Gefühl von Gemeinschaft und das Fest des Glaubens sind erfahrbarer. Im Liturgie-Ausschuss haben wir uns schon häufiger damit auseinandergesetzt und beraten, wie wir mit dieser Wirklichkeit umgehen. Wir haben in den Ferien bisher eine Gottesdienstregelung erprobt, die sich bewährt hat. Auf dem Klausurtag hat der PGR nun beschlossen (nachdem sich PGR, GTs und Hauptamtliche ausführlich beraten hatten), diese Regelung bis Ende Oktober zu verlängern.

Die Eucharistiefeier, die wir am Sonntagmorgen feiern, möchten wir zu einem Ort der Begegnung und der Zeit füreinander machen, da wir die Eucharistiefeier mit einem gemeinsamen Essen im Anschluss verbinden werden (Kirchencafé, Mittagessen, Picknick, Brunch). Für mich als Pfarrer wird es damit möglich, auf dem Kirchplatz oder beim Kaffee mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich muss nicht gleich wieder weiter hetzen zum nächsten Termin. Gleichzeitig ermöglicht mir diese Regelung Freiräume für besondere Gottesdienste mit Gruppen oder zusätzliche Angebote.

Für die Zukunft ist es denkbar, dass am Vormittag oder Nachmittag in den Kirchen ohne Eucharistiefeier weitere besondere Gottesdienstformen stattfinden können, wo Gemeinde sich trifft, um ihren Glauben zu feiern. Die Fülle und Vielfalt in unserer Kirchengemeinde ist jetzt schon sehr groß und neue kreative Formen können angedacht oder angedachte umgesetzt werden: Berührt im Wort, Bibelteilen, Anbetung, Lobpreisgottesdienste, Andachten, meditatives Tanzen, Taizégebet, gemeinsames Stundengebet.
Diese Entscheidung ist auf Probe gefällt. Wir werden im Anschluss reflektieren und auswerten. Und dann weiter überlegen. Für die Reflexion der Probezeit und die weitere Planung lade ich zu einem Treffen im Herbst ein.

Was heißt das konkret?
Am Wochenende wird in einer großen und einer kleineren Kirche jeweils eine Eucharistiefeier stattfinden, d.h. eine Vorabendmesse und eine Sonntagsmesse um 10.00 Uhr. Nach der Sonntagsmesse besteht in den Ortsteilen dann die Möglichkeit zur Begegnung miteinander, beim gemeinsamen Essen oder Trinken, wie es das Kirchencafé-Team in Busenbach schon häufig nach der Spätmesse angeboten hat. Wir werden weiterhin die Möglichkeit zur Hauskommunion-Abholung anbieten (in der Kirche, in der die Messe stattfindet oder in Langensteinbach nach der dort stattfindenden Anbetung und Laudes). Wir weisen an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf die Möglichkeit der Krankenkommunionfeier mit Kommunionhelfern hin. Bitte melden Sie sich, wenn Sie oder ein Angehöriger dieses Angebot gerne annehmen möchte. Uns ist bewusst, dass manche diese Entscheidung nicht gut finden werden. Vielleicht ist Ihnen das „Bruddlerschaf“ noch in Erinnerung? Für diejenigen unter Ihnen, denen die Entscheidung jetzt nicht schmeckt: Ja, Sie dürfen bruddeln, natürlich. Aber vielleicht nicht zu viel und nicht zu laut. Und vielleicht schaffen Sie es sogar, uns Gutes zu unterstellen. Wir haben uns tatsächlich etwas bei dieser Entscheidung gedacht und für und wider abgewogen. Wie immer gilt: Melden Sie sich, wenn Sie uns direkte Rückmeldung geben möchten.

Für manche ist die in ihrem Ort nun (zunächst für weitere acht Wochen) seltener stattfindende Eucharistiefeier ein Verlust. Das möchten wir gar nicht schönreden. Wir möchten dennoch ermutigen, unsere anderen Gottesdienstorte aufzusuchen, sich Mitfahrgelegenheiten zu organisieren, oder bei einem der vielen anderen Gottesdienstangebote im eigenen Ort teilzunehmen, oder selbst Verantwortung für Gottesdienstangebote zu übernehmen.
Und wir möchten Werbung machen für die Idee: Wir brauchen als Kirchengemeinde Orte und Zeiten der Begegnung, gerade nach Corona. Wir brauchen die Erfahrung, dass wir sonntags als Gemeinde zusammen kommen – und dass wir uns wirklich als Gemeinde erleben. Dies braucht Zeit, um miteinander zu feiern, Essen und Leben zu teilen. Wir möchten ausprobieren, ob und wie sich vielleicht auch die Eucharistiefeiern dadurch verändern – wenn sie mit diesen Begegnungsmöglichkeiten verknüpft werden.
Wir wagen dieses Experiment auch im Blick auf 2030. In der neuen Kirchengemeinde wird es auf Dauer weniger Priester geben und damit noch weniger Eucharistiefeiern vor Ort. Dann aber hoffentlich eine starke, lebendige Gemeinde vor Ort, die wir jetzt schon aufbauen wollen.

Herzlich grüße ich Sie im Namen aller, die bei dem Klausurtag dabei waren.
Pfarrer Torsten Ret