Die Sakramente
Was wäre unsere Kirche oder unser Glaube ohne Sakramente? Jeden Sonntag und alle Festtage feiern wir Gläubigen mit der Eucharistie, dem Gottesdienst. Ein neugeborenes Kind wird nach zwei bis drei Monaten mit dem Sakrament der Taufe in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen und kranke Menschen erhalten in ihrer Not das Sakrament und die Stärkung der Krankensalbung. Jedes Jahr bereiten sich Kinder intensiv auf ihre erste Heilige Kommunion vor und alle zwei Jahre entscheiden sich Jugendliche in unserer Seelsorgeeinheit für das Sakrament der Firmung. Regelmäßig wird das Sakrament der Versöhnung angeboten und viele Paare entschieden sich für ihren gemeinsamen Lebensweg mit einem Ja vor Gott im Sakrament der Kirchlichen Trauung. Relativ selten wird dem gegenüber das Sakrament der Priesterweihe gefeiert.
Um den Begriff Sakrament verstehen zu können, lohnt sich ein Blick auf seinen Ursprung und die Wortbedeutung: Aus dem Lateinischen (sacramentum; sacrare = weihen) stammend, wurde das Wort Sakrament vom ursprünglichen "des sacrum" dem Fahneneid übernommen, den Soldaten leisteten und ihren Dienst antraten. So war bereits ursprünglich mit dem Sakrament ein Versprechen bzw. eine Selbstverpflichtung und eine Aufnahme in einen besonderen Kreis verbunden. Die Übersetzung aus dem Griechischen (mysterion, symbolon) erschließt uns zudem das innere Verständnis des Begriffs: mit Mysterion bezeichneten die Griechen ein Geheimnis oder ein geheimes Zeichen und dasWort Symbolon deutet auf den Symbolcharakter und die Zeichenhaftigkeit des Sakraments. Das Sakrament steht für eine zeichenhafte Handlung für etwas außergewöhnliches übermenschliches, das man mit Worten kaum erklären und beschreiben kann.
Bis zu unserer heutigen Form der Sakramente war es ein langerWeg. Für die ersten Christen mit ihrer starken Verwurzelung in der jüdischen Traditionen waren viele Sakramente selbstverständlich. Es vermischten sich sakramenale Handlungen aus den kultisch-religiösen Bereichen der Römer, Griechen und Juden. Neben Personen oder Sachen, die an das Heilige (sacrum) übergeben wurden praktizierten die ersten Christen auch viele Symbolhandlungen, wie das Abendmahl. Taufen, Handauflegungen, Fußwaschungen, Salbungen etc.
Ab dem dritten Jahrhundert verändert sich die Praxis des Sakraments und damit auch die Bedeutung des Begriffs. Sie erfährt eine Definition, wie sie uns heute bekannt ist: Augustinus definiert die sakramentalen Handlungen als sichtbare Zeichen, die über die eigentliche Handlung hinaus weisen und das erkennen lassen was dahinter steckt: eine unsichtbareWirklichkeit. Allerdings war die Zahl der Sakramente noch nicht festgelegt. Augustinus sprach noch von 304 Sakramenten. Später wurden die Sakramente reduziert, allerdings kannte man bis ins 12. Jahrhundert noch 30 verschiedene Sakramente wie z. B. die Abtweihe, Kirchenweihe oder die Königssalbung. Erst bei Petrus Lombardus (+1160) kann man von sieben Sakramenten lesen. 1274 wurde auf dem II. Konzil von Lyon die Zahl von sieben Sakramenten festgelegt und damit allgemein gültig. Die Herausbildung von sieben Sakramenten war jedoch kein Zufall. Im Mittelalter wurde viel mit Zahlen gedeutet: die Zahl sieben stand für Vollkommenheit weil sie sich aus den Zahlen vier und drei zusammensetzt: die Vier ist die Zahl und ein Symbol für das Menschliche, den Kosmos und dieWelt mit den vier Himmelsrichtungen,den vier Jahreszeiten und den vier Elementen Feuer, Erde,Wasser und Luft. Die Zahl drei spiegelt das Göttliche wieder, das Absolute und die Dreifaltigkeit. So verbindet die Zahl Sieben das Menschliche mit dem Göttlichen, das Immanente mit dem Transzendenten.
Die sieben Sakramente im einzelnen:
- Taufe
- Firmung
- Eucharistie
- Buße
- Priesterweihe
- Krankensalbung
- Ehe
Das Konzil von Trient legte im Jahre 1547 die sieben Sakramente sowohl von ihrer Anzahl als auch im Inhalt dogmatisch fest und versuchte, sie auf Jesus zurück zu führen. Allerdings beschäftigt dies bis heute die Theologen. Sicher können nur zwei Sakramente mit dem Auftrag Jesu belegt werden: Beim letzten Abendmahl fordert Jesus seine Jünger auf, dieses Ritual zu wiederholen.
"Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (Lk 22,19)
Von der Taufe wird überliefert, dass Jesus seinen Jüngern den Auftrag gibt zu taufen.
"Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Mt 28. 18f)
Nach Jesu Tod praktizierten die Jünger dieses Handeln weiter. Sich an seine Worte und sein Wirken erinnernd, hielten sie gemeinsam Mahl, tauften Bekehrte und heilten Kranke.
Alle anderen Sakramente lassen sich nicht so einfach auf den unmittelbaren Auftrag Jesu zurückführen. Sie werden zwar beschrieben aber nicht direkt eingeführt. Sicher ist dies auch ein wesentlicher Grund, warum die evangelischen Kirchen sich auf diese beiden Sakramente beschränken.
Im Zweiten Vatikanischen Konzil lockert die Kirche das Verständnis der Unmittelbarkeit der Sakramente und nähert sich wieder dem ursprünglichen Verständnis, dass sie auch aus der Tradition kommen können und nicht unmittelbar auf Christus zurückzuführen sein müssen.
Bleibt schließlich noch zu klären, was ein Sakrament für uns nun ist: Gottesbegegnung - der Mensch begegnet Gott! Im Sakrament begegnet der Gläubige auf geheimnisvolle aber doch wirksame Weise Jesus Christus (Vgl. LG 7) An einem äußeren Zeichen wie der Salbung, Handauflegung oder dem gemeinsamen Mahl wird sichtbar, was sich im Innern eines Menschen mit Gott vollzieht. Gott berührt uns Menschen im Sakrament, er stärkt uns, er erfüllt uns! Die zeichenhafte Handlung lässt nur erahnen oder auch erspüren, was im Sakrament verborgen geschieht. Das Sakrament ist die Verbindung, das Band zwischen Gott und Mensch.
Deswegen stehen die Sakramente an entscheidenden und wichtigen Knotenpunkten unseres Lebens. Das Sakrament der Firmung begleitet die Jugendlichen im Erwachsen werden, das Sakrament der Ehe steht am Beginn der neuen Lebensphase mit der eigenen Familie und das Sakrament der Krankensalbung stärkt und begleitet in Notsituation oder im Alter. Gott begleitet unser Leben und möchte uns in diesen außergewöhnlichen Situationen besonders nahe sein und uns begleiten.Wir bitten in diesen Situationen um seinen Segen und seine Kraft. Die sakramentalen Handlungen sind Stärkung und schenken Vertrautheit und Geborgenheit.
Beim letzten Abendmahl erkennen die Jünger, dass eine schwere und wichtige Veränderung eintreten wird. In diese Situation gibt Jesus seinen Jüngern das Sakrament der Mahlgemeinschaft. Damitüberwinden sie seinWeggehen und können in die Zukunft blicken (vgl. Joh 16,7ff). Damit macht sich Jesus jedoch selbst zum Sakrament. Tut dies, sooft ihr es tut zu meinem Gedächtnis - es ist mein Leib. Ich bin es! Jesus wird zum Treffpunkt zwischen Mensch und Gott. Sein Leben und alles, was von ihm überliefert wurde, zeigt das Geheimnis Gottes auf. Das Sakrament ist Verwirklichung des göttlichen Heilsgeheimnisses. So mahnt der Apostel Paulus im Kolosserbrief: " ... Sie sollen in Liebe zusammen halten ... um das Göttliche Geheimnis (sacramentum/mysterion) zu erkennen, das Christus ist." (Kol 2.2)


